diskurs film Verlag
diskurs film - Kompetenz in Medienwissenschaft

df.8 (1996)

Michael Schaudig (Hg.):

Positionen deutscher Filmgeschichte:
100 Jahre Kinematographie - Strukturen, Diskurse, Kontexte

508 S., 36 s/w-Fotos

ISBN 3-926372-07-9

29,50 € [D]

 

Zum Inhalt:


Ein neues Medium ist alt geworden. Dennoch ist die Faszinationskraft, die von den ›bewegten Bildern‹, ihrer ästhetischen Vermittlung und ihrer kulturell-kontextuellen Verankerung ausgeht, auch im 101. Jahr der Kinematographie ungebrochen und ver-langt nach historischer Vergewisserung der aktuellen Mediensituation, die im Film ihren Ausgang nahm. 

Die hier vorgelegten 20 Originalbeiträge repräsentieren facettenreich das Generalthema ›deutsche Filmgeschichte‹. Historische und systematische Studien ergänzen sich und bieten dezidierte Positionsbestimmungen, die sowohl strukturelle als auch exemplarische Phänomene in einen nationalen Gesamtzusammenhang stellen und dabei inter-nationale Bezüge reflektieren. Vorgelegt wird somit eine ›alternative‹ Filmgeschichte, die sich weniger als eine bloße Auflistung von Filmtiteln versteht, sondern die Produktgeschichte der Filmkunst als Teil eines umfassenden medialen Systems vorführt.

Das Themenspektrum umfasst dabei sowohl produktions- und rezeptionsästhetische als auch medientechnologische und -politische Fragestellungen – von der Gründungsphase der Filmindustrie bis zur aktuellen Frage multimedialer Perspektiven. ›Zwischenstationen‹ in diesem Erkenntnisrahmen sind u. a. die Anfänge der Filmkritik, der frühe Tonfilm-Markt, die Präsentationsformen von Filmen im Dritten Reich, der Musikfilm, der Neubeginn im Nachkriegsfilm sowie der Erfolgszeitraum der 1950er Jahre, der Neue deutsche Film und Aspekte der DDR-Filmgeschichte.

 

MICHAEL SCHAUDIG: Filmphilologie und Filmgeschichte. Eine Einführung in den Objektbereich.

EVELYN HAMPICKE: »Mehr als zehn Zeilen« über Jules Greenbaum. Ein Beitrag gegen das Vergessen in der Filmgeschichtsschreibung.

CHRISTIANE HEUWINKEL: »Auch im Kino wohnen Götter!« Zu den Anfängen der Filmkritik am Beispiel der Münchner Neuesten Nachrichten, 1907–1914.

HERBERT BIRETT und SABINE LENK: Die Behandlung ausländischer Filmgesellschaften während des Ersten Weltkriegs.

JÜRGEN KASTEN: Die Verträge des Dr. Caligari. Zur Vertrags-, Verwertungs- und Rezeptionsgeschichte des berühmtesten deutschen Drehbuchs.

WOLFGANG MÜHL-BENNINGHAUS: Deutsch-russische Filmbeziehungen in der Weimarer Republik.

MICHAELA KRÜTZEN: »Esperanto für den Tonfilm«. Die Produktion von Sprachversionen für den frühen Tonfilm-Markt.

MICHAEL TRUPPNER: »Zeitgemässe Neu-Aufführungen«. Eine textgenetische Untersuchung zum U-Boot-Drama Morgenrot.

ANDREA NAICA-LOEBELL: Das totale Kino. Die Arbeit der Gaufilmstellen der NSDAP und die Jugendfilmstunde, konkretisiert am Beispiel München-Oberbayern.

KLAUS KANZOG: »Wir machen Musik, da geht euch der Hut hoch!« Zur Definition, zum Spektrum und zur Geschichte des deutschen Musikfilms.

KIRSTEN BURGHARDT: Moralische Wiederaufrüstung im frühen deutschen Nachkriegsfilm.

MICHAEL SCHAUDIG: Recycling für den Publikumsgeschmack? Das Remake: Bemerkungen zu einem filmhistorischen Phänomen.

JÜRGEN FELIX: Rebellische Jugend. Die ›Halbstarken‹-Filme: Vorbilder und Nachbildungen.

OLIVER JAHRAUS: Stoff, Diskurs, Mythos: Ludwig II. als Inszenierung im Film. Eine analytische Rekonstruktion anläßlich des 150. Geburtstags des bayrischen ›Märchen-königs‹.

ANDREAS ROST: Kinostunden der wahren Empfindung. Herzog, Wenders, Fassbinder und der Neue deutsche Film.

PETER SCHOTT: Cinéma franco-allemand. Rudolf Thome: Cousin germain der Nouvelle Vague.

ELISABETH MILTSCHITZKY: Als Individuum im Kollektiv. ›Massenwirksamkeit‹ und Publi-kumserfolg im DDR-Film.

PETRA GRIMM: ›Filmschnipsel‹ mit Kalkül. Der Trailer im deutschen Kino: Konstruktionsprinzipien und Rezeption einer intertextuellen Filmsorte.

DIETER WIEDEMANN: Braucht Deutschland den deutschen Film? Überlegungen und Polemiken zur Wiedervereinigung einer Filmnation.

KNUT HICKETHIER: Geschichte des Films, der Audiovision oder der Multimedia? Perspektiven am Ende des ersten Jahrhunderts Film.


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Was auf den ersten Blick heterogen und beliebig wirkt, erweist sich bei genauerer Betrachtung als klug konzipiert: Wir unternehmen so etwas wie eine Erkundungsreise durch Desiderate der deutschen Filmgeschichtsschreibung. (Filmgeschichte - SDK-Newsletter, Berlin)

Hier leistet man eine Filmgeschichtsschreibung, die sich nicht in deskriptiver Faktenhudelei erschöpft. (Zoom, Zürich)

Der Sammelband sucht eine außergewöhnliche Schneise zu schlagen, indem er den Blick nicht auf einzelne Filme, Epochen, Dekaden richtet, sondern auf eher vergessene Randgebiete. Glücklicherweise überwiegen die lustvollen Analysen, wodurch die Lektüre informativ und anregend bleibt. (Filmbulletin, Winterthur)

Ein aufregender Band und eine spannende Positionsbestimmung. (Filmblatt, Berlin/Babelsberg)