diskurs film Verlag
diskurs film - Kompetenz in Medienwissenschaft

df.7 (1995)

Manfred Hattendorf (Hg.):

Perspektiven des Dokumentarfilms

229 S., 52 s/w-Fotos

ISBN 3-926372-06-0

23,50 € [D]

 

Zum Inhalt:


Am Anfang war der Dokumentarfilm. Die Faszination, die in 100 Jahren Filmgeschichte von ihm ausgegangen ist, hat viel mit dem angenommenen Allwissenheitsanspruch und der scheinbaren Beweiskraft der ›lebenden Bilder‹ zu tun. Der vorliegende Band zeigt, dass Wirklichkeitsabbildung auch eine Frage der ›Perspektive‹ ist und dass Authentizi-tät im Dokumentarfilm ebensoviel mit der Realität wie mit deren künstlerischer Gestaltung zu tun hat.

Im Mittelpunkt der elf Einzelstudien stehen die Fragen nach dem Verhältnis des Dokumentarfilms zur Information und Unterhaltung sowie zu seiner Imaginationskraft und Komposition; ebenso wird das Verhältnis zum Spielfilm reflektiert. Neben grundlegenden theoretischen Aufsätzen internationaler Provenienz, die den aktuellen Stand der Dokumentarfilmforschung wiedergeben, untersuchen exemplarische Analysen die Phänome-ne und Probleme dokumentarischer Filme. Auf diese Weise wird im deutschsprachigen Raum erstmals eine Rezeptionsästhetik des Dokumentarfilms entworfen.

Das Spektrum der untersuchten Werke reicht dabei vom frühen ethnographischen Film (Flaherty) über Dokumentarfilme der Neuen Sachlichkeit (Ruttmann) und des Dritten Reichs (Riefenstahl) bis hin zur Produktionspraxis im Zeitalter des dualen Fernseh-systems (Kluge, Herzog u. a.). Über die weiteren ›Perspektiven‹ finden sich im Anhang Statements der drei deutschen Interessenvertretungen des Dokumentarfilms.

 

SANDRA SCHILLEMANS: Die Vernachlässigung des Dokumentarfilms in der neueren Filmtheorie

FRIEDRICH STEINHARDT und SU TURHAN: Was hat die Arktis mit der Südsee zu tun? Raumkonstitution und Normvermittlung in Robert J. Flahertys Nanook (1922) und Moana (1926)

MARTIN LOIPERDINGER: Neue Sachlichkeit und Nationalsozialismus. Zur Ambivalenz von Walter Ruttmanns Filmen für das »Dritte Reich«.

KLAUS KANZOG: Der Dokumentarfilm als politischer Katechismus. Bemerkungen zu Leni Riefenstahls Triumph des Willens (1935).

ROGER ODIN: Wirkungsbedingungen des Dokumentarfilms. Zur Semiopragmatik am Beispiel von Notre Planète la terre (1947).

HEINZ-B. HELLER: Kulinarischer Dokumentarfilm? Anmerkungen zu neueren Tendenzen im Dokumentarfilm und seinem Verhältnis zur Unterhaltung.

WERNER BARG: Ein Dokumentarist des Protestes. Alexander Kluges Theorie des Dokumentarfilms. Beobachtungen zu seinen Essay-Filmen und Fernsehmagazinen.

JÜRGEN E. MÜLLER: Dokumentation und Imagination. Zur Ästhetik des Übergangs im Dokumentarfilm TRANSIT LEVANTKADE (1990).

BILL NICHOLS: Performativer Dokumentarfilm.

ALEXANDER SCHWARZ: Wahre Bilder des Grauens. Ästhetik und Authentizität in Werner Herzogs Lektionen in Finsternis (1992).

MANFRED HATTENDORF: Fingierter Dokumentarfilm. Peter Delpeuts The Forbidden Quest (1993).

Anhang

PETER ZIMMERMANN: Haus des Dokumentarfilms. Ein Institut zur Sammlung, Erforschung und Förderung dokumentarischer Film- und Fernsehformen in Stuttgart.

THOMAS FRICKEL: Überlebenstraining im Schlaraffenland. Einige Argumente für eine starke Dokumentarfilm-Lobby.

ANNA HOFFMANN: Europäisches Dokumentarfilminstitut.


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Ein wichtiger, stellenweise zum produktiven Widerspruch reizender Beitrag zur Renaissance des Dokumentarfilms. (Zoom, Zürich)

Solange es solche Texte und Filme gibt, kann von einer Krise des Dokumentarfilms nicht gesprochen werden. (film-dienst, Köln)